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am 10. Oktober

Innenstadtbelebung neu

Sandra Mayer - Die Innenstadt zu beleben - ein altes Versprechen der ÖVP Krems. Nun auch für alle Parteien ein beliebtes Wahlkampfthema. Nur Konzepte haben sie nicht, aber wir.

Das Thema „Innenstadtbelebung“ ist gerade in Wahlkampfzeiten sehr beliebt. Allerdings wird es dann nach den Wahlen gerne wieder vergessen. Seit der Brauhofsaal abgerissen wurde, geht es immer wieder um die Innenstadt und um eine mögliche neue Veranstaltungshalle. Geredet wird viel, getan herzlich wenig. 

Dabei wäre es so einfach. Krems ist ja schließlich nicht die einzige Stadt, die mit diesen Themen konfrontiert ist. Mittlerweile gibt es viele Initiativen wie z.B. in Bayern die Stadt Günzburg, in der Steiermark die Stadt Trofaiach, die mit neuen Ideen ihre Städte wieder beleben wollen. Also warum das Rad neu erfinden?

Des weiteren gibt es in Krems eine Wirtschaftsservicestelle, die klarerweise nicht nur mit der Innenstadt beschäftigt ist, sondern natürlich mit allen wirtschaftlichen Belangen. Und darüber hinaus gibt es die Kremser Kaufmannschaft, die in den letzten Jahren zwar Mitgliedsbeiträge der ansässigen Betriebe und Subventionen der Stadt Krems lukriert hat, allerdings auch keine neuen oder innovativen Ideen präsentiert hat. Und jetzt soll noch eine dritte Gesellschaft sich der Sache annehmen? Man kann es auch unnötig „aufblasen“ und kompliziert machen. Was wäre wenn man sich endlich der Sache mit Herz und Verstand annehmen würde? Sich vielleicht mal mit allen VermieterInnen und UnternehmerInnen an einen Tisch setzt, egal ob Mitglied der Kaufmannschaft oder nicht. Der vielgerühmte Branchenmix alleine wird uns auch nicht retten, aber es wäre zumindest ein Anfang. Auch die Neubaugasse in Wien hat sich mittlerweile als „Straße der Spezialisten“ etabliert, auch für die Landstraße wäre dies eine gute Möglichkeit, sich von diversen Handelsketten abzuheben.

Aber was genauso dazu gehört, ist ein gewisses Flair, ein Ambiente, dass zum Verweilen einlädt. Und auch da hat die Kremser Innenstadt leider ihre Mankos. Es sind eben nicht die Geschäfte alleine, die Menschen anlocken. Es fehlt leider ein stimmiges Gesamtkonzept. Revitalisierung von unseren Plätzen, Einbindung von Lokalen und Geschäften in den Seitengassen und Plätze zum Verweilen. Und Krems könnte auch mit einigen wenigen Aktionen ein Vorzeigemodell für den Klimaschutz werden und damit die Innenstadt wieder verschönern.

Denn wir alle merken in den letzten Jahren auch ganz ohne Studien, dass der Klimawandel voll im Gange ist. Gerade im Zentrum von Krems merkt man es besonders: es ist nicht nur heiß, sondern auch stickig und das vielgeliebte „Lüfterl“ fehlt. Städte „heizen“ sich relativ schnell auf, vor allem weil in Krems mittlerweile jegliches Grün fehlt (abgesehen vom Pfarrplatz, auf dem die Bäume noch erhalten wurden). Bäume sind die fehlende Stadtlunge, sie spenden Schatten, verbessern das Klima und können für dieses kleine, ersehnte „Lüfterl“ sorgen, denn sie reduzieren die Hitze in ihrer unmittelbaren Nähe bis zu 20 Prozent. Und wir könnten in Krems dies relativ schnell erledigen, ohne auch nur einen Stein aus dem Kopfsteinpflaster zu lösen. Mit Bäumen in Containern mit Sitzgelegenheiten (Skizze von J. Gansterer im Auftrag der Grünen Krems)

In Wien, in der Mariahilfer Straße, wurde diese Idee schon lange umgesetzt. Städte wie Rust am Neusiedlersee rüsten gerade wieder in grünen Belangen auf. Und sogar in Santiago de Chile gibt es genau diese Sitzgelegenheiten bereits 

Auch Salzburg hat für die heißen Tage mittlerweile vorgesorgt, im Zentrum gibt es kleine Springbrunnen aus dem Boden, die in den Sommermonaten für ein angenehmes Klima und für viel Freude vor allem bei Kindern und Hunden sorgen.

Und obwohl wir eine StudentInnenstadt sind, dürfen wir nicht vergessen, dass sich gerade im Zentrum sehr viele ältere Leute befinden, weil sie ihre täglichen Besorgungen zu Fuß erledigen können. Auf diese Menschen wird kaum Rücksicht genommen.

Und so gesehen wäre unser Innenstadt-Masterplan mehr als nur neue Geschäfte ansiedeln zu wollen:

 

  • Begrünung durch diese Container-Sitzgelegenheiten und Schaffung eines angenehmen Klimas (z.B. konkret am Täglichen Markt)
  • Pfarrplatz autofrei (zwischen Kirche und Rathaus) mit Böller-System für Zu-und Abfahrten und dort ähnlich einem Naschmarkt oder Karmelitermarkt in Wien einen Platz für unsere Märkte gestalten. Auch dort mit Sitzgelegenheiten rund um die Bäume, die tatsächlich noch zum Verweilen einladen. Hier wäre auch noch Platz genug um ein Mini-Wasserspiel zu installieren.
  • Auch dem Dreifaltigkeitsplatz könnte ein wenig Grün nicht schaden oder zumindest diese Wasserspiele im Kleinformat. Gerade auf diesem Platz gibt’s keinen Schatten, keinen Schutz, nur stickige Hitze im Sommer.
  • Die Innenstadt lebt nicht nur durch den notwendigen Branchen-Mix alleine, sondern auch vom Flair. Leerstehende Geschäfte sieht niemand gerne, keine Frage. Co-Working-Spaces, Pop Up Stores und ähnliches wären dafür zumindest eine überbrückende Möglichkeit, diesen leerstehenden Geschäften Leben einzuhauchen.
  • Wir haben eine wunderschöne Innenstadt, allerdings sollten wir wieder mehr Plätze zum Verweilen bieten, konsumfreie Entspannungszonen wenn Sie so wollen. Wieder mehr Pflanzen in die Stadt (und damit meine ich nicht die kleinen, netten Blumenkisteln, die spenden maximal kleinen Hunden Schatten). Wir können unsere Plätze nur dann wiederbeleben, wenn wir etwas bieten, dass die Menschen zum Bleiben und Rasten einlädt.
  • Das noch gekrönt mit fixen Mistkübeln samt Aschenbechern und die Stadt ist rundum erneuert und würde durch die Grün- und Wasserzonen für neues Publikum sorgen.

Und warum wir so auf Bäume in der Stadt beharren, ist nicht nur, weil wir die Grünen sind, sondern weil mittlerweile bewiesen ist, dass die ökologische Qualität und auch das Klima in dicht verbauten Städten ohne Bäume sehr stark leiden. Sich immer weiter aufheizen wird (auch daran müssen wir uns gewöhnen) und somit für stickige, staubige Luft sorgen wird. Und gerade für zukünftige Hitzewellen wird es höchste Zeit jetzt schon vorzusorgen. Abgesehen davon, dass diese Grünflächen und Wasserspiele auch die Stadt optisch aufwerten würden. Es gibt viele Städte, die jetzt wieder verstärkt mit der Begrünung von Zentren anfangen. Wir sollten uns hierbei anhängen und brauchen auch das Rad eben nicht neu erfinden. Sondern uns einfach die guten Ideen nach Hause holen.